· 

Bericht EM Strzelin, Polen

Die EM wird seit letztem Jahr als Weltcuprunde mit nur 3 Wettkämpfen geführt. Die 4 Einzeldisziplinen (Sprint, Mittel, Lang und Massenstart) finden dabei alternierend alle 2 Jahre statt. Dieses Jahr fanden Sprint und Massenstart sowie eine Mixed-Relay statt.

 

Für mich sind die Wettkämpfe terminlich etwas ungelegen, da ich so einige wichtige Lektionen der letzten Semesterwoche verpasst habe. Aber eine EM nur wegen Schule zu verpassen, das kam für mich nicht in Frage. Also fuhren wir am Donnerstag noch 5 Uhr morgens ab Richtung Polen. Es lagen ca. 12h Autofahrt vor uns. Zum Glück klappte die Hinreise ohne grosse Staus. Am Freitag stand schon der Model-Event auf dem Programm. Die Mixed-Staffel, der Massenstartwettkampf und der Model-Event waren alle im selben Wald, wenn auch in unterschiedlichen Teilen. So war der Model-Event sehr relevant für die kommenden Wettkämpfe. Das Gelände beim Model-Event erlebten wir als sehr schwierig befahrbar. Es hatte wenig schnelle Waldstrassen. Die meisten Wege waren entweder schlammig, zugewachsen, mit Fallholz übersäht oder von Wildsäuen verwüstet. Uns gefiel aber dieses anspruchsvolle Gelände, denn so erhielt eine gute Fahrtechnik etwas mehr Gewicht. Da in Polen das Querfeldeinfahren erlaubt ist, werden sich spannende Routenwahlen ergeben.

 

Für die Mixed-Relay war mein Ziel eine weitere Steigerung gegenüber letztem Jahr. Da wir letztes Jahr 4. wurden, bedeutet das eine Medaille. Ich war mir bewusst, dass dieses Ziel sehr hoch gesteckt ist. Aber ein Ziel soll ja anspruchsvoll sein und muss nicht immer erreicht werden.
Wir lagen von Beginn weg gut im Rennen, lagen immer auf einem Diplomrang. Die ersten 3 Nationen waren aber schon früh weggezogen. Die «grossen 3», also Tschechien, Russland und Finnland lagen an diesem Tag für uns ausser Reichweite. Wir waren also mit unserem 4. Rang sehr zufrieden, denn wir zeigten was wir konnten. Mehr lag nicht drin dieses Jahr. Ziel nicht erreicht, aber trotzdem zufrieden!

 

Am Sonntag stand das Sprintrennen im 60km entfernten Wroclaw (Deutsch Breslau) statt. Das Wettkampfgelände bestand aus einem kleinen Stadtpark mit einer Pferderennbahn und einigen Sportstadien. Es war sehr klein, reichte aber vollkommen aus. Es war ein cooler und schneller Sprint, die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug ca. 25km/h. Beim Posten 8 unterlief mir leider ein kleiner Fehler: Ich landete nach einer nicht optimal gewählten Route in einem Dickicht, musste Umdrehen und das Dickicht umfahren. So verlor ich ca. 40 Sekunden. Da ich aber sonst schnell und fehlerfrei unterwegs war, reichte es trotz diesem für einen Sprint nicht kleinen Zeitverlust zu einem Top20-Ergebnis (Rang 20).

 

Der abschliessende Wettkampf war der Massenstart am Pfingstmontag. Das Ziel war direkt vor unserer Haustüre, der Start nur ca. 1km entfernt. So waren das Aufwärmen und Vorbereiten am Morgen sehr viel einfacher als noch am Tag zuvor. Ich mag Massenstartrenne sehr. Ich liebe den direkten Gegnerkontakt, wenn man sich für unterschiedliche Routen entscheidet und wieder gleichzeitig beim Posten ist, wenn sich Gabelungen trennen und wieder zusammenkommen. Man weiss trotz dem vielen Gegnerkontakt nie wirklich, wo man steht. So war es auch bei diesem Wettkampf. Ich hatte das Gefühl, nicht so schnell zu sein und nicht wirklich die perfekten Routen gewählt zu haben. Trotzdem befand ich mich auf der Schlussschlaufe im Tram, dass noch um die Diplomplätze kämpfte. Beim 3. letzten Posten führte die einzige Route aber durch ein hohes Grasfeld. Meine Pollenallergie führte zu starkem Juckreiz und eingeschränktem Atmungsvermögen. So verlor ich kurzfristig den Anschluss an die Gruppe. Kurz vor dem Ziel konnte ich aber wieder zu den letzten der unterdessen auseinandergezogenen Gruppe aufschliessen und noch den Schweden Viktor Larsson übersprinten. Mit meinem 13. Schlussrang (mein bestes Weltcup-Ergebnis bisher) bin ich sehr zufrieden!

 

Alles in allem war es ein cooles verlängertes Wettkampfwochenende mit fairen und qualitativ hochwertigen Rennen. Mit meinen Resultaten bin ich ebenfalls sehr zufrieden. Ich hatte aufgrund des Studiums praktisch keine Zeit für eine seriöse Vorbereitung (abgesehen von meiner guten physischen Verfassung). So erhoffe ich mich von der WM, auf die ich mich in den Semesterferien sehr intensiv vorbereiten werde, noch bessere Resultate. Genau spezifizieren möchte ich diese aber noch nicht.


(Bild: Laura Scaravonati, Text Adrian Jäggi) 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0