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Rennbericht Cape Epic

Am 8. März 2019 reisten wir nach langen und intensiven Vorbereitungen nach Südafrika, genauer gesagt nach Stellenbosch. Stellenbosch ist wohl der bekannteste Ort zum Biken in ganz Afrika, und dort wollten wir uns in der letzten Woche bevor das Cape Epic los ging noch den letzten Schliff holen. Und Stellenbosch hat nicht enttäuscht! Wir genossen grandiose Singletrails und konnten so einige Abschnitte der Etappen 5-7 anschauen. Allzu viel trainierten wir aber nicht mehr, wir wollten ja schliesslich gut erholt ins härteste Mountainbike-Etappenrennen der Welt starten.

Samstag 16. März: Registration

Am Tag bevor es mit dem Prolog losging erledigten wir die Registrierung. Wir gingen noch ein letztes Mal die Prologstrecke besichtigen. Dabei fanden wir heraus, dass die ausgeschilderte Strecke und der veröffentlichte GPS-Track nicht übereinstimmen! Dies war vor allem im langen Anstieg nach ca. der Hälfte der Strecke entscheidend. Während der GPS-Track noch einen sehr verblockten und schwierig zu fahrenden Wanderweg hochging, führte die ausgeschilderte Strecke nun über eine deutlich schnellere Kiesstrasse rauf zum Dead Man’s Tree. Wir waren froh, die Strecke nochmals angeschaut zu haben und konnten uns so viel besser auf den Prolog einstellen.

Sonntag 17. März: Prologue, the Grand Depart

Um Punkt 11:30:40 GMT+2 startete für uns das lang ersehnte Abenteuer Cape Epic. Die Prologstrecke bestand aus einem Startabschnitt auf dem Universitätsgelände der University of Cape Town, gefolgt von einem ständigen auf und ab auf Kiesstrassen mit teils gröberen Steinen. Ca. zur Rennhälfte kam der oben erwähnte Anstieg zum Dead Man’s Tree, wo wir unter anderem den mehrfachen Weltmeister Thomas Frischknecht überholten! Nach einer kurzen Rollerpassage auf einer Teerstrasse (ohne Verkehr) ging es ins erste Technical Terrain. Die Abfahrt auf einem coolen Singletrail mit viel losem Staub und Steinen war kurz aber schnell und cool. Danach gab es noch einige weitere kurze Singletrailabschnitte, bevor wir nach 51’22’’ das Zeil erreichten. Mit unserer Leistung beim Prolog sind wir sehr zufrieden.

Montag 18. März: Stage 1, Heaven & back to earth

Die erste richtige Etappe mit Start und Ziel in Hermanus war auch gleich Streckenmässig die längste. Es galt, 111km und 2700 Höhenmeter hinter uns zu bringen. Der Start gelang gut. Bis zu ca. Kilometer 65 fuhren wir viel zusammen mit Orbea Factory Racing. Bei diesem Team fuhr, wie wir erst nach der Etappe herausfanden, Aleix Esparagaro, ein spanischer Moto GP Fahrer, der letztes Jahr in der WM Wertung den 10. Rang belegte. Nach 65km mussten wir aber abreissen lassen, weil Simon schon viel früher als erwartet in die berühmte «Wand» fuhr. Er vermutet mangelhafte Flüssigkeits- und Essenszufuhr als Grund dafür. Wir fuhren also alleine weiter und wurden leider von immer wie mehr Teams eingeholt. Gegen Ende konnte sich Simon aber wieder etwas erholen und wir konnten das Rennen noch relativ schnell zu Ende fahren.

Nach über 6 Stunden Rennzeit erreichten wir endlich das Ziel...

Dienstag 19. März, Stage 2: Enter Sandman

Die zweite Etappe war mit nominell 90km und 2200Hm um einiges kürzer als noch die erste Etappe, aber sicherlich nicht weniger hart. Sie führte uns von Hermanus nach Oak Valley. Wie der Name der Etappe vermuten lässt, legten wir am 3. Tag des Cape Epic einen grossen Teil der Strecke in losem Sand zurück. Das verringerte nicht nur das Tempo, sondern zehrte auch ordentlich an unseren Kräften. Gegen Etappenmitte erwartete uns das Highlight der Etappe mit einem sehr steilen Anstieg, den man teilweise schiebend bewältigen musste und einer anfangs sehr schnellen Abfahrt über sandige Trails, wo man immer aufpassen musste dass man nicht die Kontrolle über das Vorderrad verliert. Wir kamen flott voran und sind mit unserer Leistung bei der 2. Etappe sehr zufrieden.

 

Mittwoch 20 März, Stage 3: The Emerald Princess

Rein von den Streckendaten her gab es dieses Jahr mit den Etappen 1, 3 und 5 eigentlich 3 Königsetappen. Die 3. Etappe zeichnete sich durch ihre grosse Distanz sowie ihr sehr ruppiges Gelände aus. Auf dem Groenlandberg erreichten wir zudem mit 1100m.ü.M. den höchsten Punkt der Woche. Der folgende Anstieg rauf zum Die Nek war trotz seiner Auszeichnung als Technical Terrain nicht allzu schwierig. Gegen Schluss der Etappe hatte Adrian dann sehr mit den knapp werdenden Energiereserven zu kämpfen. Drei solche Etappen aufeinander hinterlassen ihre Spuren…

Wir schafften es noch ins Ziel mit einer Zeit von 5:26:35, was für uns den 37. Rang bedeutete.

Donnerstag 21. März, Stage 4: Just Like Clockwork (Time Trial)

Wir waren froh, dass nach 3 sehr langen Tagen nun eine etwas kürzere Etappe folgte. Das Zeitfahren ging über 40km und 1000Hm und beinhaltete einen grossen Singetrailanteil. Gestartet wurde bei uns in der UCI-Pro-Team Kategorie in umgekehrter GC (Gesamtklassement) Reihenfolge, also die langsamsten UCI-Teams zuerst und die Leader von Cannondale Factory Racing am Schluss. Wir konnten alle Konkurrenten, die uns im GC auf den Fersen waren, einholen und somit den Abstand gegen hinten vergrössern. Ausserdem hatten wir ordentlich Spass auf den vielen coolen Singetrails rund um Oak Valley und Paul Cluver Wine Estate. 

Wir erreichten das Ziel mit einer Zeit von 1:58:03 und belegten den 39. Etappenrang.

Freitag, 22. März, Stage 5: Newton’s Queen (Königsetappe)

Die offizielle Königsetappe war zwar nicht die längste, aber aufgrund ihres sehr hohen Singletrail-Anteils sicher eine der physisch anspruchsvollsten aber auch schönsten Etappen. Begonnen hat der Tag für uns mit einem Schrecken: 15min vor dem Start bemerkte Adrian, dass seine Carbonfelge am Hinterrad einen Riss hat. Das mitgeführte Ersatzrad befand sich bereits beim Water point 2, daher mussten wir die ersten 43km mit dem defekten Rad durchstehen. Dies klappte zum Glück ohne Probleme. An diesem Tag hatte Simon physisch etwas mehr zu kämpfen. Vor dem Gantouwpass, von dem eine 1.1km lange obligatorische Schiebepassage runterführte, verloren wir den Anschluss an unsere Konkurrenten im Gesamtklassement. In der Tragepassage angekommen merkten wir aber, dass wir im Runterrennen eines steinigen Weges um ein Vielfaches schneller sind als die anderen. Wir auf- und überholten unsere Konkurrenten und konnten zusammen mit 2 französischen Teams bis zum Waterpoint 2 fahren. Ca. 1.5km vorher sprintete Adrian weg, um sich etwas Zeit für den Radwechsel zu verschaffen. Und tatsächlich, wir konnten wieder gemeinsam mit den anderen Teams weiterfahren! Wir profitierten vom Windschatten, bevor es in den härtesten Anstieg der Etappe, den King’s Climb, ging. Dort konnten wir unsere Mitkonkurrenten definitiv abhängen. Es folgte eine coole Abfahrt auf den Helderberg Trails, bevor es mit viel auf und ab durch die Weinberge nach Stellenbosch ging. Dort erwartete uns zum Dessert der berühmte G-Spot-Trail und einige Abschnitte aus der XCO-Weltcupstrecke von Stellenbosch. Am Schluss waren wir definitiv froh im Ziel zu sein, dieser Tag war ein hartes Stück Arbeit. Ebenfalls machte uns nach einigen kühlen Tagen nun die Hitze etwas zu schaffen.

Samstag 23. März, Stage 6: Death, Taxes, Singletrack & Vineyard climbs

Wie der Etappenname andeutet, zahlten wir am 7. Tag “Taxes”. Nach einem steilen Anstieg zu Botmaskop hoch verpassten wir von der aufgehenden Sonne geblendet einen Einstieg in den Singletrack und fuhren abseits der Strecke auf einer steilen Teerstrasse etwas mehr als 100 Höhenmeter ins Tal. Obwohl wir bald vermuteten falsch abgebogen zu sein, war die Ernüchterung gross, als wir weit oben im Rebberg die Fahrer die Strasse überqueren sahen. Entkräftet von den durchgestandenen Etappen liess Adrian seinem Frust freien Lauf und startete eine Schimpftirade. Als wir schliesslich in den Singletrail einbogen hatten uns etliche langsamere Teams überholt und wir wurden in der folgenden Abfahrt stark ausgebremst. Erst auf den breiten Kiesstrassen konnten wir viele der 5’ Minuten nach uns gestarteten Teams zurück überholen. So auch die Seniorencracks Barti Bucher und Hansjörg Gerber, die ziemlich verwundert fragten, ob wir den Start verschlafen hätten. Kurz vor dem Ziel wurden wir über die Weltcup-Downhill-Piste der späten 90er Jahre geführt. Dieser Abschnitt präsentierte sich flowig und ohne jegliche Schwierigkeiten. Unglaublich wie sich diese Szene in den letzten Jahren entwickelt hat! Wir sind also vorerst dem Tod entronnen und durften uns im Ziel über eine Zeitkorrektur freuen. Vermutlich hatte der Organisator realisiert, dass man jenes Schild beim Einstieg in den Singletrail im Gegenlicht kaum sehen konnte und hat uns daher anhand der GPS-Daten die verlorene Zeit abgezogen.

Sonntag 24. März, Stage 7: The Grand Finale

Das Gesamtklassement der UCI-Pros war vor der letzten Etappe um unseren Platz herum ziemlich gefestigt. Das nächst bessere Team lag 28 Minuten vor uns und gegen hinten wiesen wir ein Polster von 13 Minuten auf. Nur 2 nicht lizenzierte Teams mit rund vier Minuten Vorsprung lagen in unserer Reichweite. Wir waren zuversichtlich diese überholen zu können, denn wir kannten den ersten Teil der Strecke von den Trainings und wussten genau, wie schnell man welche Singletrail-Kurve angehen konnte. Der Start gelang uns gut, wir kamen flüssig und Kräfte schonend zum Eingang des Jonkershoek Nature Reservats und konnten im folgenden Anstieg unsere ärgsten Widersacher distanzieren. Nach einer kurzen Abfahrt auf einer breiten Kiesstrasse führte die Strecke in den ersten uns wohlbekannten Singeltrail und da passierte es schliesslich. Adrian’s Vorderrad rutschte weg, er stürzte und prallte mit dem Oberschenkel voll gegen einen Stein. Er sprang schnell wieder aufs Rad und teilte Simon mit, dass es nur eine enorm schmerzhafte Prellung sei. Doch von da an war der Weg ins Ziel ein enormer Leidensweg. Simon versuchte Adi ein wenig zu unterstützen, doch auf den Trails in Südafrika ist dies kaum möglich. Die Steigungen sind häufig zu steil oder zu uneben um einhändig den Partner schiebend nach oben zu fahren. Daher blieb Simon nichts anderes übrig als die Trails und die Landschaft zu geniessen und Adrian Windschatten zu spenden. Bis ins Ziel überholten uns etliche Teams, doch im Gesamtklassement konnten wir bei den UCI-Pros unseren Rang halten.

Rückblick

Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit unserer Performance am Cape Epic. Wir hatten keinen einzigen Platten oder Defekte die ein Weiterfahren verunmöglichen würden. Auch physisch hatten wir keine krassen Einbrüche, wir blieben gesund und kamenbis auf die letzte Etappe immer ohne Sturz durch. Auf der letzten Etappe musste ich etwas leiden, aber wir schafften es in einer anständigen Zeit ins Ziel. Wir sind sehr zufrieden mit unserem 33. Rang in der Kategorie UCI Pro Men und den damit verbundenen 8 UCI Punkten!